Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in (VAKJP) - Tiefenpsychologisch fundierte Ausbildung

Die Ausbildung erfüllt die Aus- und Weiterbildungsrichtlinien der VAKJP. Sie führt zur Approbation bzw. Zulassung als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeut*in bei Kindern und Jugendlichen mit der Möglichkeit der Eintragung in das Arztregister sowie der kassenärztlichen Tätigkeit (Niederlassung).

Die Ausbildung gliedert sich in folgende Teile:

Selbsterfahrung

  • Lehranalyse
  • mind. 150 Stunden
  • ausbildungsbegleitend

 

Theorie

  • mind. 600 Stunden
  • im Rahmen von Seminaren, Vorträgen und Vorlesungen

 

 Praktische Tätigkeit

  • mindestens 1200 h in einer psychiatrisch-klinischen Einrichtung und
  • mind. 600 Stunden in einer Einrichtung der psychotherapeutischen u/o psychosomatischen Versorgung

 

 Praktische Ausbildung

  • Anamnesepraktikum
  • Kontrollierte Behandlungen

 

Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend und dauert mindestens zehn ordentliche Studiensemester.

Selbsterfahrung: 
Die Lehranalyse hat zum Ziel, eine intensive Eigenerfahrung des jeweiligen therapeutischen Prozesses zu vermitteln, die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit zu fördern und zu einer Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns zu befähigen.  Die Selbsterfahrung begleitet die Ausbildung kontinuierlich. Sie findet in der Regel im einstündigen Setting statt und umfasst mindestens 150 Sitzungen. Empfohlen wird zudem die Teilnahme an der Gruppenanalyse. Davon können 60 Doppelstunden anteilig mit 30 Stunden auf die Einzelselbsterfahrung angerechnet werden. Die für die Lehranalyse zu treffenden Vereinbarungen sind Gegenstand der Übereinkunft zwischen der Lehranalytiker*in und dem Studierenden.

Theorie:
Die theoretischen Inhalte werden im Rahmen von Vorlesungen und Seminaren am Institut angeboten. Neben den allgemeinen theoretischen Inhalten, die in Vorträgen und Vorlesungen vermittelt werden, ist der Besuch folgender Seminare obligat:
Proseminar (1. und 2. Semester)
Säuglingsbeobachtung (zw. 1. und 4. Semester)
Anamneseseminar (3. und 4. Semester)
Kasuistisch-technisches Seminar (nach der Zwischenprüfung, 5.-10. Semester)

In den Seminaren werden auch eigene Referate zur Vertiefung der Lehrinhalte gehalten:

  • 1 Literaturreferat
  • 1 Traumreferat
  • 2 technische Referate (schriftlich und mündlich)
  • 2 kasuistische Referate (schriftlich und mündlich)

 

Praktische Tätigkeit:
Im Vorstudium werden die Untersuchungen der Patient*innen unter Supervision durchgeführt. Im sogenannten Anamnesepraktikum werden bei mind. 12 Patient*innen und deren Bezugspersonen die Anamnese erhoben und eine diagnostische Beurteilung und psychodynamische Interpretation durchgeführt. Die Untersuchungen werden von einer Supervisor*in des Institutes begleitet und bestätigt.

Im Hauptstudium, nach erfolgreicher Zwischenprüfung, erfolgen die sogenannten kontrollierten Behandlungen. Dabei werden von der Ambulanz des Institutes geeignete Patient*innen zugewiesen, die von der Ausbildungskandidat*in behandelt werden. Es erfolgt eine Supervision im Verhältnis 1:4 (eine Stunde Supervision für vier Behandlungsstunden).
Es müssen bis zur qualifizierenden Abschlussprüfung mindestens 600 Stunden Behandlung und 150 Stunden Supervision nachgewiesen werden. Die Supervision kann teilweise auch in einer Supervisionsgruppe erfolgen.
Die Behandlungen müssen folgende Therapien abdecken:

  • insgesamt mind. 6 Behandlungsfälle, mind. 600 Stunden
  • mindestens zwei Behandlung mit mind. 90 Sitzungen
  • 1 abgeschlossene Kurzzeittherapie
  • insgesamt mind. 60 Stunden begleitende Therapie von Bezugspersonen

 

Psychiatriepraktikum:
Nach den Regularien des Psychotherapeutengesetzes sowie der Ärztekammern muss die Kandidat*in 12 Monate Erfahrung in Einrichtungen der Psychiatrie bzw. Psychosomatik absolvieren. Das Praktikum findet an kooperierenden Kliniken und Praxen statt.

Zwischenprüfung:
Die Zwischenprüfung stellt die Voraussetzung zur Zulassung zu den kontrollierten Behandlungen dar. Nach vier Semestern Regelstudienzeit, 120 Stunden Lehranalyse und nach erfolgreicher Absolvierung der Inhalte des Vorstudiums incl. Literaturreferat wird der letzte Anamnesefall schriftlich dargestellt und mit den Prüfer*innen disputiert.

Qualifizierende Abschlussprüfung:
Das Ende der Ausbildung stellt die qualifizierende Abschlussprüfung dar. Das Prüfungsprocedere richtet sich für Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen und Pädagog*innen nach den Vorschriften der KJPAPrV, für Ärzt*innen nach den Bestimmungen der Bayerischen Ärztekammer zur Erlangung der Zusatzbezeichung. Diese Prüfung qualifiziert zur selbstständigen Durchführung von Therapien und zur Teilnahme an der kassenärztlichen Patientenversorgung.

Nach dieser Prüfung kann ein Institutskolloqium durchgeführt werden. Grundlage ist eine selbst durchgeführte analytische Behandlung, in der die wichtigsten Elemente der Übertragungsbeziehung dargestellt und theoretisch diskutiert werden. Die Arbeit wird in einer institutsöffentlichen Veranstaltung (Kolloquium) präsentiert und diskutiert.

Das Kolloquium qualifiziert den Kandidaten zur ordentlichen Mitgliedschaft in der VAKJP sowie am Würzburger Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V.

 

Stand Mai 2021